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Adieu Buchhandel – ein paar Jahre her

15 Dez

Heute Morgen sind mir beim Suchen einer Unterlage meine Worte zum Abschied aus dem Buchhandel (nach 19 Jahren) an die Kolleginnen und Kollegen in die Hände gefallen. Wow, schon drei Jahre her. Und nicht nur die Arbeit gewechselt, sondern auch das Bundesland, den Fluss, den Dom, das Bier.

Und mittlerweile schreibe ich gerade meine Bachelor-Arbeit. Wie die Zeit vergeht. Was einem solche „alten“ Worte aus einer irgendwie schon fremden und fernen Welt wieder verdeutlichen: Das war schon eine geile Zeit. Und Buchhandlungen sind ganz wunderbare Orte.  

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am 15. November habe ich nun meinen letzten Arbeitstag bei der M. Daher möchte ich mich auf diesem Wege gerne von Euch/Ihnen allen mit mindestens zwei weinenden Augen verabschieden.

In den letzten 19 Jahren habe ich mit vielen von Ihnen zusammenarbeiten dürfen, wir haben gemeinsam einiges erlebt und viel erreicht. Wir haben leidenschaftlich Bücher inszeniert und verkauft, genauso leidenschaftlich neue Sortimente ins Herz geschlossen, Kunden beraten, auf Kinder aufgepasst, um Umsätze gekämpft, Budgets errechnet, Veranstaltungen zelebriert – die klassische Lesung genauso wie die atemberaubende Stunksitzung in Köln.

Mein persönliches Highlight in diesem Zusammenhang ist sicherlich die bis dato geheime Begebenheit, dass ich Alice Schwarzer bei meiner ersten Abendveranstaltung unwissentlich ein Phallus-Symbol auf die Bühne stellte (in Form eines Mikrofonständers) und das schnell herbeigeschaffte Ansteck-Funkmikrofon den ganzen Abend fürchterlich knisterte, pfiff und rückkoppelte. Dieses Ereignis war für Alice ein so schrecklicher Moment, dass sie alle weiteren Treffen bei Lesungen mit ihr (und das waren sehr viele), mit den Worten begann: „Ach, hier hatte ich doch neulich ein so unsägliches Erlebnis bei einer Lesung mit der Technik“ und ich jedesmal mutig erwiderte „Ja, das war ich und können wir nicht endlich Gras über die Sache wachsen lassen?“ Daraufhin hat sie meist gelacht und beteuert, dass es gar nicht so schlimm war, um die Geschichte dann aber später auf der Bühne vor meistens ausverkauftem Haus dann doch brühwarm zu erzählen. Einmal habe ich ihr sogar aus lauter Verzweiflung überteuerte „No Porno“-Aufkleber abgekauft, in der Hoffnung mich damit freizukaufen – aber vergeblich.

Mein ganzes bisheriges Arbeitsleben habe ich in diesem Buchhandelsunternehmen verbracht, aber gelangweilt habe ich mich nie – ganz im Gegenteil. In dieser Zeit habe ich immer wieder Neues kennen gelernt, jeder Trend war immer zuerst bei uns spürbar. Vor Google Zeiten bedeutete dies, dass Freunde und Familie bei vagen Trendneuheiten immer erst mich als Buchhändlerin fragten, ob ich von diesem oder jenem schon gehört habe und wüsste was das ist. Und meistens wusste ich… Wenn man so will, waren wir im Buchhandel die erste analoge Suchmaschine, nahezu systemrelevant, wie man heute zu sagen pflegt.      

Selbst in den letzten Jahren bei M Business habe ich noch einmal eine absolut neue Seite des Buchhandels kennen lernen dürfen. Portokosten, Botenkosten, Versandkosten, Infobrief, Infopost, Mailings, E-Modul, E-Only, Procurement, elektronische Rechnung, Ausschreibung, Angebot, Nachfrage, Konsolidierung, Verteiler, direkt, nicht direkt und besonders: schnell, schneller, am schnellsten.

Und meine kaufmännische Abteilung mag mir mein anfängliches Unverständnis gegenüber mehr als zwei Zahlen hinter dem Komma verzeihen. JA – mittlerweile weiß ich, auch diese Zahlen haben nicht nur ihre Berechtigung, sondern sind absolut bedeutend. Mein unbedarftes Aufrunden hat durchaus an der ein oder anderen Stelle für Verwirrung gesorgt. Dabei kann eine Abweichung von 0,001 so manches Kundensystem sprengen.

Ich erinnere mich noch genau, als ich 1996 meine Ausbildung in unserem Rheydter Geschäft in der Stresemannstraße beendete und dort als Jungbuchhändlerin weiterarbeitete, lehnte ich nach einem Schließdienst abends alleine an einem unserer Regale und träumte, wenn ich mal alt bin (und damit meinte ich damals sicher kurz vor der Rente), dann möchte ich genau diese Buchhandlung leiten. Nun, in den folgenden Jahren kam alles ganz anders. Aber vielleicht ist es dennoch ein Hauch von Schicksal, dass ich genau in dem Monat die M verlasse, in dem auch meine Ausbildungsfiliale den Standort wechselt und genau wie ich umzieht. (wenn auch nicht ganz so weit weg) Wir sind halt beide in die Jahre gekommen…       

Viele von Ihnen haben mir in den letzten Wochen sehr liebe Abschiedsgrüße übermittelt. In einem hieß es, dass sich der Aushang der Personalabteilung im Intranet so liest, als würde ich ansatzlos in den Deutschen Bundestag einziehen, was zwar schade für das Unternehmen ist, aber gut für unser Land! (Uuuuuhhhhhh Baracuda….). Das kann ich zwar nicht versprechen, denn  zunächst muss ich mich mal etwas intensiver mit meinem Studium beschäftigen, aber diese Zeilen haben mir nochmal eines bewusst gemacht: Die Zeit in der M hat mir unglaublichen Spaß gemacht, was unbedingt auch an dem so großartigen Humor meiner Kolleginnen und Kollegen gelegen hat.

Ich wünsche Ihnen bei allen Herausforderungen der kommenden Jahre mindestens genauso viel Spaß, um mit Leidenschaft und Neugierde die Zukunft zu gestalten.

Herzlichen Dank und alles Gute!

„Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“

25 Okt

Stoppt die Welt, ich will aussteigen!

Es ist nun fast drei Jahre her, als ich entschieden habe, mein Leben grundlegend zu ändern. Wobei: eine richtige Entscheidung ist es eigentlich erst in der Rückschau. Damals war es eher eine Vollbremsung mit gezogener Handbremse und ein Erwachen aus einem Geschwindigkeitsrausch.

Kurz nach meinem vierzigsten Geburtstag, auch das noch.

Vor lauter „Jagen nach fremden Zielen“ blieben nämlich die eigenen Ziele auf der Strecke – und damit das selbstbestimmte Leben.

Habe ich eben noch komplexe Strategien entwickelt und ein großes Team durch den Tag gemanagt, bin ich abends bei einem freundlich gemeinten „Wie geht`s?“ leicht in einen Weinkrampf verfallen. Einfach so. Die Work-Life-Balance war gründlich im Arsch, was man vor lauter „Work“ und wenig „Life“ aber leider selbst als letztes mitbekommt. Vielleicht ist es auch schon ein großer Vorteil, wenn man es denn überhaupt irgendwann begreift.

Im Zeitraffer bedeutete dies für mich: anhalten, innehalten, loslassen. Job kündigen und neu anfangen. Nach zwanzig Jahren. Mitten im Leben. Bei einem duften Gehalt. Puh.

Arschtritt inklusive

Ich arbeite auch heute viel, weil es mir Spaß macht.  Dazu habe ich ein Studium begonnen, weil es mein Lebenstraum ist. Und das alles in meiner neuen Wahlheimat Berlin. Aber zwischendrin gibt es mittlerweile immer Gelegenheiten dem Alltag zu entfliehen – die Welt um mich herum in ihrer Schönheit wahrzunehmen und auch einfach mal nichts zu tun. Auf die Frage „Wie geht es?“ kann ich heute in einen Redeschwall geraten.

Um nicht wieder in alte hamsterradähnliche Muster zu verfallen, benötige ich allerdings auch von Zeit zu Zeit einen kleinen, aufmunternden, aber deutlichen Tritt in den Allerwertesten. Have a break. Have time.

Als Buchhändlerin finde ich diese Auszeiten oft in klugen, packenden und unterhaltsamen Büchern. Manchmal sogar in einem Reisebuch wie beispielsweise  „Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“ von Martin Krengel. Auf den ersten Blick ist es ein Buch über eine spannende Weltreise in entlegene und skurrile Orte wie Tonga oder Galapagos. Oder in pulsierende Metropolen in Rio und Australien.

Auf dem zweiten Blick ist es aber auch ein Buch übers „frei sein“, übers „Leben leben“ und „sich trauen“. Der Autor ist eigentlich Zeitmanagement-Experte und hatte sich die Weltreise als sein persönliches (Traum)-Ziel gesetzt, sobald er seine Doktorarbeit in der Tasche hat. Doch als es soweit war, hat er es selbst kaum geschafft, die Stop-Taste zu drücken. Es lief doch gerade alles so toll: Erfolg, Job & Anerkennung.

Der Weg

Bewege Dich, wenn Dich im Inneren etwas bewegt!

Hätte ich mich dennoch auf den Weg gemacht? Vermutlich nicht. Martin Krengel dagegen hat es durch seinen beruflichen Background dann doch noch zum Backpacker geschafft, indem er einfach in kleinen Schritten – aber zügig – seine heimatliche Komfortzone ungemütlicher gemacht hat. Er hat das Auto verkauft, seine Familie und Freunde informiert und die Wohnung untervermietet. Ein Rückzieher wäre recht ungemütlich geworden und ein Gesichtsverlust unvermeidbar.

Und mit den Fidschi-Inseln hat er für sich ein traumhaftes erstes Reiseziel gewählt. Wer weiß, was passiert wäre, wenn er zuerst nach Tonga gereist wäre, worüber er schreibt: „Tonga. Gestrandet im Nirgendwo. Wenn die Welt ein Ende hat, so ist hier der Anfang.“

So sind die Geschichten der Weltreise ein Wechsel zwischen Paradies, Hölle und Einöde, mit Höhen und Tiefen und einigen Wechselbädern der Gefühle. Und man darf teilhaben an sehr persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen. 

Wie fühlt es sich beispielsweise an …

als Auswanderer in Australien zu leben, als Stand-Up Comedian in New York zu arbeiten, von einem hinterhältigen Frosch attackiert zu werden, bei minus 17 Grad in der mongolischen Jurte zu schlafen, Höhenangst durch einen Sprung aus 4.500 Metern Höhe zu kurieren, 30 Meter unter der Wasseroberfläche 15 Hammerhaie zu füttern, tagelang in einem wütenden Zyklon zu stecken und an entlegenste Orte zu reisen, die nicht bei Google Maps zu finden sind?

Die Kunst des Reisens ist nicht das Planen, sondern das Tun.

Wenn man nun die „Kunst des Reisens“ durch die „Kunst des Lebens“ ersetzt, dann wird relativ schnell deutlich, dass beides sehr eng miteinander verbunden ist. Und so lässt sich das Buch wunderbar aus verschiedenen Perspektiven lesen.

Zum einen natürlich aus der Perspektive des Reisens, aber besonders auch aus der Perspektive des Lebens: Loslassen, eigene Ziele setzen, Sicherheiten auch mal über Bord werfen und den Kompass des eigenen Lebens neu einstellen. Denn auch so lassen sich – eingebettet in einem spannenden Reisebericht – ziemlich beeindruckende Parallelen zum eigenen Lebensweg entdecken.

Man kann entweder immer auf dem gleichen, vermeintlich sicheren Weg bleiben oder auch mal ausscheren und sich Neues trauen. Gewohnheiten, Pflichtgefühle und das Älterwerden machen es aber oftmals schwer die eingestampften und vielleicht auch verhassten Pfade zu verlassen. Manchmal reicht schon „Träumen von einem besseren oder anderen Leben“. Aber manchmal muss man sich auch selbst auf den Weg machen, um das Paradies zu entdecken.

Fazit: Mach doch!

„Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“ ist ein Mutmacher-Buch für alle, die selbst die Welt bereisen möchten oder bis jetzt auch nur davon träumen. Geschichten für Menschen, die ihr Leben nach ihren eigenen Zielen gestalten wollen. Und ein Ratgeber für Digitale Nomaden.

Kein Reiseführer, sondern ein Kompass! Eine ziemlich gute Gebrauchsanleitung für´s Loslassen und Machen.

Der Autor beschreibt, dass er in jedem Land eine Lektion gelernt hat. Und als Leser kann man für sich aus jeder der einzigartigen Geschichten etwas für sich herausziehen und an den Krengelschen Lerneffekten teilhaben.

Warnung

Die Warnung auf dem Buchdeckel könnte man wörtlich nehmen:

„Wenn Du Deine Couch liebst,

öffne nicht dieses Buch!“

Wenn Du Dein Leben liebst, dann öffne es, kam mir sogleich in den Sinn.

Dr. Martin Krengel
Stoppt die Welt, ich will aussteigen!
Kuriose Abenteuer einer Weltreise. (Arschtritt inklusive.)
Eazybookz Travel, 360 Seiten mit 460 Bildern, ISBN: 978-3-941193-22-2

Preis €19,99

Der Beitrag ist auch erschienen auf HuffPost.

Welttag des Buches

23 Apr

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Update – Update – Update -Update – Update-Update

Das Los hat entschieden. Gewonnen hat Mika93, eine persönliche Mail geht gleich noch raus. Herzlichen Glückwunsch!!!!!

Allen anderen lieben Dank fürs Mitmachen, vielleicht bis zum nächsten Welttag 🙂

Herzliche Grüße Anja 

Die  Aktion “Blogger schenken Lesefreude”  ist eine tolle Idee zum Welttag des Buches, um dem Buch eine große Bühne zu bieten und Lesefreude zu verbreiten. Daher bin ich auch in diesem Jahr wieder dabei. 

Bei den letzten  beiden Aktionen habe ich das und das und das verlost, die Gewinner haben sich über die Bücher ziemlich gefreut und ich mich darüber, andere Menschen mit meinen Buchempfehlungen in Verbindung zu bringen. #Buchhändler-Gen!

Bücher sind allerdings für mich weitaus mehr als  Lesestoff, Unterhaltung oder Konsumgut. Bücher verbinden Menschen, vermitteln Wissen und können ihren LeserInnen ganz neue Welten öffnen. Allerdings ist es meistens so: da wo sich für die einen etwas öffnet, bleibt für andere etwas verschlossen. Soziale Ungleichheit bewirkt beispielsweise, dass manche Menschen nie mit Büchern in Verbindung kommen, sei es mangels kulturellem oder monetärem Kapital.

Aus diesem Grund wird mein Gewinnspiel in diesem Jahr etwas anders ablaufen. Ihr könnt in meinem Blog ein Buch für eine Person Eurer Wahl gewinnen, die sonst wenig Möglichkeit hat zu lesen,  und auf diese Weise als Botschafter für Lesefreude agieren.

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Ich verlose das Buch „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Es ist eines der großartigsten Bücher, das ich kenne. Es ist ein rasantes Roadmovie (mit einem geklauten Lada) durch unbekannte deutsche Straßen, aber auch durch unbekannte Leben, die sich mit Charme, Humor und aller Wucht  ihren Weg in unsere Welt bahnen.

Da sind zwei Jungs, zwei Außenseiter. Maik Klingenberg, dessen Villen-Idyll langsam in sich zusammenfällt. Und Andrej, genannt Tschick, der russische Immigrant aus Berlin-Hellersdorf, der bei aller Abgeklärtheit Träume hat, wie andere Kinder auch.

Da sind zwei Mädchen, eine Schul- und eine „Müllberg“-Romanze. Und ganz viele unglaubliche Geschichten am Wegesrand. Und da ist der Autor Wolfgang Herrndorf, der leider viel zu früh gestorben ist.

Ich habe dieses Buch ausgewählt, da es vom Thema her zu dieser Verlosung sehr gut passt, aber auch weil es von Jungs oder Mädchen und Jung & Alt gleichermaßen gelesen werden kann, mag uns muss.

Schreibt mir also einfach bis Montag in die Kommentare, an wen aus Eurer Umgebung, Nachbarschaft, Schule, Arbeitsplatz, Straße, Heim oder Verein Ihr „Tschick“ gerne verschenken möchtet. (Keine Klarnamen natürlich, eine Beschreibung reicht).

Aus allen Kommentaren werde ich einen Gewinner für einen Gewinner auslosen und hier in meinem Blog verkünden. Die Verlosung endet am Montag, den 27. April um 18.00 Uhr.

Ich wünsche Euch allen viel Spaß und einen schönen Welttag des Buches!

P.S. Diese Aktion beruht natürlich auf Vertrauen, deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn das eigentliche Ziel erreicht wird.

Liebe Grüße Anja

Getwittert wird über @BlogdenWelttag  übrigens unter #Lesefreude  

#Lernen kann doch Spaß machen – Unterhaltsamer Arschretter für Jung & Alt – für Schule, Studium & Job #1buch1satz

9 Dez

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Lebenslanges Lernen – Wow!

Mitten im Berufsleben habe ich noch einmal mit einem Studium begonnen, an einer Fernuniversität und neben einem anspruchsvollen Vollzeitjob.

Mit reichlich Erfahrung und größter Eigenmotivation sollte das doch zu schaffen sein. Schließlich habe ich zahlreiche Zeitmanagement-Seminare im Laufe meiner Karriere besuchen dürfen und das ein oder andere Buch hatte ich als Buchhändlerin dazu ja auch schon gelesen. Oder zumindest in den Händen.

  • Unter Zeitdruck arbeiten? Kein Problem!
  • Organisation? Kinderteller!
  • Selbstmotivation? Gelernt ist gelernt!

Von der nötigen Lebenserfahrung – mit 40! – ganz zu schweigen.

Um den Spannungsbogen nicht unnötig zu überziehen – trotz sehr gutem Rüstzeug war ich nach nicht einmal einem Jahr absolut überfordert. Konzentrationsprobleme, Lernblockade, chronischer Zeitmangel, sozial isoliert und dunkle Augenringe, um nur ein paar der hässlichen Nebenwirkungen zu nennen.

Man bringt sehr viel Energie und Motivation für Job, Studium und Familie auf – die Wertschätzung dafür verpufft nach anfänglichem Schulterklopfen jedoch relativ schnell.

Den Lernaufwand halbieren

Aufgeben wollte ich dennoch nicht so schnell. Schließlich ließ sich der Wunsch zu studieren auch nach 20 Jahren nicht verdrängen. Nach dem Abitur war der Zugang zum Studium als sogenanntes „Arbeiterkind“ nicht so leicht und die Ausbildung ein sicherer Garant. Aber so konnte es nicht weitergehen.

Glücklicherweise fiel mir zu diesem Zeitpunkt das Buch die „Bestnote“ von Martin Krengel in die Hände, ein wunderbares Buch, das Lernpsychologe, Zeitratgeber und Motivationsexperte zugleich ist. Den Begriff „Lernratgeber“ vermeide ich an dieser Stelle in meinem Alter lieber – für Schüler oder jüngere Studierende wäre das aber sicher trefflich.

Dieser Ratgeber zeigt einem perfekt in 10 Schritten, wie man sein Zeitmanagement in den Griff bekommt, seine Konzentration steigert und sich absolut schnell und fokussiert auf Prüfungen und Hausarbeiten vorbereitet. Die Strategie bestimmen, das Global Picture suchen, Strukturieren und das Gedächtnis stärken – und alles unterhaltsam mit Humor und Charme erklärt.

Zudem lässt es nicht außer Acht, dass während der akademischen Hirnakrobatik auch die Wäsche und das schmutzige Geschirr unerbittlich Aufmerksamkeit einfordern. Das alles will organisiert sein – ganzheitliche Lernstrategie sozusagen.

Also viele Dinge, die andere Zeitratgeber gerne unter den Tisch fallen lassen. Und NEIN, es sind nicht nur die vielen Mails in meinem „Eingangskörbchen“, die mich ins Straucheln gebracht haben.

Gebrauchsanweisung in Häppchen

Dazu ist die „Bestnote“ sehr übersichtlich konzipiert, sodass man das Buch nicht sofort von vorne bis hinten durchlesen muss.

Man kann sich zunächst mit den Abschnitten beschäftigen, die einem individuell am dringlichsten weiterhelfen. Das ist besonders im Fernstudium von großer Bedeutung, denn eines ist klar: Die Zeit ist knapp!

Und obwohl ich Politikwissenschaften studiere, habe ich den Test „10 japanische Vokabeln in 3 Minuten lernen“ mitgemacht UND es sogar problemlos geschafft.

Zusätzlich findet man auf dem Methodenportal Studienstrategie.de des Autors stets nützliche Lerntipps & Merktechniken.

Diese Fragen und Lernprobleme konnte ich nun klären:

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Kurzum: Mir hat „Bestnote“ geholfen, Beruf & Studium mit Spaß und ohne Stress zu absolvieren. Meine letzte Prüfung habe ich mit 2 plus bestanden. Und ich hätte niemals gedacht, dass ich mich auf die nächste freue.

Unter dem Zeit-Online Twitter Hashtag würde ich das Ganze so zusammenfassen: „#Lernen kann doch Spaß machen – Unterhaltsamer Arschretter für Jung & Alt – für Schule, Studium & Job #1buch1satz „

Das liebevoll und aufwendig gestaltete Buch mit vielen Beispielen und über 100 Grafiken und Tabellen und kultigen Visualisierungen kann ich wirklich aus tiefstem Herzen empfehlen – ob für sich selbst oder als klasse Geschenk!

Zu finden oder zu bestellen unter: 
Martin Krengel: „Bestnote“. Eazybookz Berlin, 256 Seiten, ISBN: 978-3-941193-666, Preis: 15,95 Euro

P.S. Der Text ist auch erschienen auf Huffington Post: Hier 

Akif Pirincci und die gemeinen Buchstaben.

19 Nov

Screenshot 2014-11-19 11.37.03In meiner Buchhandelslaufbahn habe ich so einige hundert Autoren-Veranstaltungen ausgerichtet. An viele kann ich mich heute noch erinnern, weil sie so unglaublich schön und inspirierend waren. Oder lustig. Oder weil wir anschließend alle gemeinsam im Brauhaus versackt sind. Und klar, an manche erinnere ich mich auch noch, weil sie mich etwas enttäuscht haben. Oder weil schreckliche Dinge passiert sind, wie ein Herzinfarkt im Publikum, ein ausgelöster Feueralarm oder das nicht erwünschte Phallus-Symbol auf der Bühne bei Alice Schwarzer.

An die Lesung mit Akif Pirincci, vor sicherlich mehr als 10 Jahren, erinnere ich mich auch noch sehr genau. Aber nicht, weil sie so gut war, sondern weil ich das erste Mal in meinem Leben verstanden habe, was es bedeutet, sich abgrundtief fremd zu schämen. Akif Pirincci saß auf der Bühne  und hat vorgelesen wie ein Erstklässler. Kurz, es war GRAUENHAFT. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie so etwas möglich ist. Da schreibt jemand ein Buch (über Katzen) und versucht bei der Lesung die einzelnen Buchstaben mühevoll zu einem Wort zusammen zu setzen. Und so hörte es sich auch an. Ich musste mich teilweise in die hinterste Ecke unserer Buchhandlung verkriechen und mir die Ohren zuhalten, da die Lesung körperliche Schmerzen verursachte. Aber schlussendlich haben es die zahlreichen Besucher und ich stoisch ertragen. Ich glaube, weil einem solche Menschen leid tun. Aus lauter Menschlichkeit und Toleranz „erträgt“ man diese Momente und hat sogar noch ein gutes Gefühl dabei. Denn man möchte ja jemanden nicht verletzen, nur weil er etwas gerade mal nicht so toll kann – gut, wenn es ausgerechnet ein Autor ist, der nicht vorlesen kann, bedarf es schon einiger Selbstdisziplin.

Nun gibt es ja diesen Spruch: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“ – Also, um diesen Satz auch noch einmal zu quälen…hätte ich damals gewusst, dass  Akif Pirincci heutzutage in dieser Weise gegen Frauen, Homosexuelle, Ausländer und andere Minderheiten hetzt, ich hätte ihm sicherlich damals ein paar ordentliche Worte gegeigt zu seiner miserablen Vorstellung. Ein kleines Lehrstück in Sachen Ausgrenzung wäre möglicherweise aus heutiger Sicht ganz hilfreich gewesen. So muss ich mich nun alleine ärgern, über seine Hassschriften und Kommentare. Und wenn ich, wie heute Morgen, ein unerträgliches Interview mit ihm im Radio höre (das ich zunächst für Satire halte), dann bin ich geneigt, mir einfach wieder die Ohren zu zuhalten. Aber dann fällt mir glücklicherweise ein, im Gegensatz zu damals kann ich  ja heute wenigstens einfach abschalten!

Ich will so bleiben wie ich bin – Amazon.

21 Jul

Delivery drone

Ich habe mal in meinem Blog herumgekramt und festgestellt, dass ein Beitrag von mir  „Amazon – ausgeloggt“ auch nach über einem Jahr noch erschreckend aktuell ist. Durch die momentanen Konditionsverhandlungen (oder Erpressungen) von Amazon gegenüber den Verlagen bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack, wie es sein könnte, in einer monopolisierten Gesellschaft zu leben. Und dabei werden wir augenblicklich noch nicht einmal von Amazons Drohnen abgeschossen. Wie das sein wird, wenn die fehlgesteuerte Drohne mit unserem wichtigen Vampir Roman an Bord, den wir unbedingt in Sekunden geliefert haben müssen, erst einmal „aus Versehen“ in unserem gehüteten analogen Billy Regal gelandet ist, werden wir schon in ein paar Jahren wissen. Oder wenn für unsere Buchbestellungen bei Amazon gar keine Lieferanschrift mehr nötig sein wird, da unsere Mobilfunkdaten als „Zielvorgabe“ völlig ausreichen. (Hach, ist das toll!) Dann freuen wir uns, wenn uns beim ersten Date mit der neuen Flamme eine Liefer-Drohne mit „Kamasutra für Anfänger“ auf den Kopf fällt – und wir dann bis an unser Lebensende rätseln dürfen, ob unser Date geflohen ist, weil wir leider erst grüne Kamasutra Anfänger sind oder weil wir uns überhaupt mit solch einem Kram beschäftigen. Weiterlesen

Gewinnspiel zum heutigen Welttag des Buches – 23. April

23 Apr

Liebesgeschichte_Bild

Nach dem großartigen Erfolg der  Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ im letzten Jahr, verlose ich auch in diesem Jahr wieder tolle Bücher. Diesmal nehme ich sogar gleich mit zwei Blogs teil – beruflich & privat. Schaut also auch gerne hier vorbei. 

An dieser Stelle verlose ich eine wunderschöne Liebesgeschichte oder so was, obwohl ich eigentlich gar nicht so der Liebesgeschichten Typ bin.  Aber vermutlich liegt es an dem „oder so was“, dass mich diese Geschichte so komplett für sich eingenommen hat und an der sensationellen Sprache, der ich verfallen bin. Weiterlesen

Welttag des Buches

22 Apr

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Morgen – am Welttag des Buches –  verlose ich hier in meinem Blog wieder ein tolles Buch. Welches Buch verrate ich noch nicht, aber so viel sei gesagt, es ist eine ganz wunderbare Liebesgeschichte…oder auch nicht. 🙂

Bis Morgen dann, ich freue mich auf Euch! #lesefreude #blogdenwelttag

 

P.S. Und auch in meinem beruflichen Blog verlose ich ein klasse Buch, schaut auch hier vorbei!

Der Erste Weltkrieg und die Sehnsucht nach der Unschuld

6 Apr

Cover

 

Seit dem Bestseller von Christopher Clark „Die Schlafwandler“ können wir Deutschen den 100. Jahrestag zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs recht locker begehen. Wenn man angesichts der über 17 Millionen Opfer das Wort „locker“ überhaupt verwenden darf.

Aber in der Tat ist es so, dass der Historiker Christopher Clark, in seiner fast 1000 Seiten starken Studie, die Deutschen von Ihrer bis dato ausgemachten Verantwortung für den Großen Krieg freispricht. Von seinem Buch wurden alleine in Deutschland seit Erscheinen schon mehr als 160.000 Exemplare verkauft und  ist seitdem in den Top Ten aller Bestsellerlisten zu finden. Das zeigt, wie tief  dieses deutsche Kriegs-Trauma lange Zeit wohl schmerzte.   Weiterlesen

Weltbild und die Folgen…

17 Jan

weltbild

Die Weltbild Insolvenz und die möglichen Auswirkungen für die Branche – hier mein Interview im Buchreport:

Buchhändlerin Anja Urbschat über die Weltbild-Insolvenz Kann Buchhandel überhaupt Onlinehandel?

 

Wie schätzen Sie die Situation bei Weltbild ein?

Ich bin unsicher, ob sich die Situation bei Weltbild von außen überhaupt seriös einschätzen lässt. Der stationäre Handel soll nicht betroffen sein, dies wird zumindest von Unternehmensseite kommuniziert. Ein kleiner Branchen-Seitenblick auf die Insolvenz der Baumarktkette Praktiker und der „eigentlich nicht betroffenen“ und gesunden Max Bahr Läden zeigt, was von solchen Einschätzungen zu halten ist. Selbst die Lage der Hugendubel Läden ist unklar, scheinbar hat es ja gerade Anstrengungen gegeben, sich von Weltbild wieder abzukoppeln – der Insolvenzantrag kam dann aber doch zu schnell. Weiterlesen

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