Friedliche & schöne Weihnachten!

24 Dez

leider nur Facebook bekannt als Quelle

Alles unter Kontrolle. Gehen Sie sich besaufen. So ungefähr ließe sich das einhellige innenpolitische Statement kurz nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz  zusammenfassen. Die Stunden danach ließen aber einige Zweifel an der Kontrolle des Staates aufkommen. Je mehr Einzelheiten ans Licht kamen, desto größer wurden die Zweifel. Der Attentäter war als Gefährder eingestuft, Geheimdienste hatten vor Terrorgefahr gewarnt und der Typ reist ungehindert und unbeobachtet durch die Lande als sei er auf Klassenfahrt. Diese Tatsache löst Kopfschütteln und Übelkeit aus. Und bei solch einem fahrlässigen Umgang mit augenscheinlich radikalisierten Menschen sollen wir uns unserem Schicksal ergeben und uns auf den Weihnachtsmärkten mit Glühwein betrinken, um unsere Freiheit und offene Gesellschaft zu feiern? Als wäre es Schicksal, wenn Bürokratie und Personalmangel es anscheinend verhindern, dass ein polizeibekannter radikalisierter Irrer unschuldige Menschen tötet? Na dann, Prost!

Meine Freiheit entscheidet sich im übrigen nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt. Und schon gar nicht auf denen, die trotz höchster Terrorgefahr nicht einmal mit Betonpollern gesichert waren. Es hätte nicht gegen alles geschützt, aber es wäre wenigstens der Versuch einer Entschlossenheit gewesen, solche öffentlichen Plätze schützen zu wollen. Nicht gegen alles, aber schon mal gegen diejenigen, die unfähig sind eine Bombe zu basteln und sich deshalb ins Führerhaus eines Lastwagens setzen.

Meine jüngste Großnichte hat vor ein paar Tagen ihren zweiten Geburtstag gefeiert. Unter welchen Bedingungen ihr Leben verlaufen wird, das entscheiden wir heute. Ob sie später einmal Glühwein trinken wird lässt sich noch nicht abschätzen. Ob sie es als Freiheit empfinden wird, dies pollerfrei auf einem Weihnachtsmarkt zu tun auch nicht. Ich wünsche mir, dass sie in einer offenen, vielfältigen und kontingenten Welt aufwächst, in der sie all das, was sie tun möchte, machen kann, ohne Angst haben zu müssen. Ich hoffe, dass sie zu keiner Lebensweise gezwungen wird, die sie nicht möchte. Das ist mein Verständnis von Freiheit, das sich anscheinend immer mehr von dem der Politik zu unterscheiden scheint.

Dort möchte man nämlich lieber Flüchtlinge bekämpfen statt Terroristen und Verbrecher. Dort denkt man, mit Obergrenzen könnten man Krieg und Terror besiegen. Das wird allerdings den letzten Funken Menschlichkeit aus unserer westlichen Welt verbannen, aber vermutlich nicht für die nötige Sicherheit sorgen, die es braucht, um eine friedliche, fortschrittliche und lebenswerte Zukunft zu gestalten. In solch einer menschenfeindlichen Gesellschaft möchte ich nicht leben.

Gestern, einen Tag vor Heiligabend, hatten meine Eltern einen Autounfall, weil ein Idiot über eine rote Ampel gefahren ist. Die ausgelösten Airbags haben sie wohl vor schlimmeren Verletzungen bewahrt. Hier haben die Sicherheitsvorkehrungen glücklicherweise funktioniert. Und niemand fühlt sich in seiner Freiheit des Autofahrens dadurch eingeschränkt. Nur Glühwein sollte man in diesem Fall nicht trinken.

Ein scheiß Jahr geht betrüblich zu Ende. Wir sollten es aber nicht dem Schicksal überlassen, dass die kommenden Jahre besser werden. Wir können jetzt ein paar Tage mit Familie und Freunden verbringen. Dabei könnten wir darüber nachdenken, wie wir zukünftig in unserer offenen Gesellschaft, die – seien wir doch mal ehrlich – das geilste ist, was wir haben, leben wollen.

Und dann sollten wir anfangen daran hart zu arbeiten!

Ich wünsche allen friedliche und schöne Weihnachten!

(Mobil geschrieben in der Deutschen Bahn zwischen Berlin und Köln)

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