Die Zukunft ist sehr wahrscheinlich

1 Sep

Martin Weigert hat für  das Online-Magazin „t3n“ gerade eine Kolumne geschrieben (Weigerts-World-Kolumne), in der er acht bahnbrechende digitale Technologien auflistet, die in den nächsten Jahren vermutlich unser Leben, unsere Gesellschaft und die Wirtschaft am meisten beeinflussen und verändern werden.  

Alle diese Trends, die besonders relevant sein könnten, sind  gerade in der Öffentlichkeit sehr präsent, ob es die „angedrohten“ Liefer-Drohnen, Elektromobilität, 3D-Druck oder die erweiterte Realität (Augmented Reality) ist, die gerade durch Pokémon Go einen ganz besonderen Schub erfahren hat.  

Was mich aber an der Kolumne nachhaltig beeindruckt hat, ist die Herangehensweise, diese Trends gemeinsam zu denken, denn nur dies ergibt einen Sinn und lässt eine Vorstellung, was diese Technologien für unsere Gesellschaft in Zukunft bedeuten, überhaupt erst zu. Und dies ist ein wichtiger Anstoß, den dieser Text liefert, der meiner Meinung nach viel zu selten in der öffentlichen Debatte vorkommt.

Meistens werden diese Technologien separat betrachtet, oft in Bezug auf große Unternehmen und Monopolisten. Und noch öfter werden damit Ängste geschürt, beispielsweise, dass diese disruptiven Technologien unsere Jobs rauben. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja ein neues Jobwunder, weil wir in einer virtuellen Welt unser Geld mit dem Jagen von Pokémons verdienen. Wer möchte da noch schwere Pakete schleppen?  

„Schon eine der genannten Technologien genügt, um etablierte Strukturen aus den Angeln zu heben.“

Und wer will dann eigentlich noch vorhersagen können, was dann passiert? Denken können wir das Ganze nur aus den jetzigen Rahmenbedingungen heraus, wie diese sich dann aber verändert haben werden, das lässt sich nur schwer erahnen. Aber worauf dieser Text ziemlich zurecht  hinweist ist, dass es ja definitiv Interdependenzen zwischen diesen Technologien gibt. Setzt sich autonomes Fahren durch, benötigen wir vermutlich keine Liefer-Drohnen mehr, rennen wir in einer virtuellen Parallelwelt herum, dann benötigen wir vielleicht nicht einmal mehr selbstfahrende Fahrzeuge. Diese Auseinandersetzung mit möglichen Interdependenzen eröffnet auf einmal ganz neue Denkräume.

Das zeigt, dass zum einen unser eindimensionales und wenig disruptives Denken an dieser Stelle selbst den Hauch einer Prognose verhindert, aber auch die Tatsache der Unwissenheit darüber, welche Technologie sich denn zuerst durchsetzt, und damit wieder ganz neue Voraussetzungen schafft. Und da ist ein Spiel wie Pokémon Go ein sehr guter Indikator, der zaghaft andeutet, welche Auswirkungen alleine eine in der Gesellschaft verankerte Augmented Reality haben könnte, die sich dann aber nicht nur auf unsere Freizeitgestaltung bezieht.

Martin Weigert schreibt „Die nächsten Jahre werden verrückt – wie verrückt, entscheiden diese Technologien“. Und damit auch wir, denn wir entscheiden, welche Neuerungen sich durchsetzen, denn einige dieser Technologien waren in verschiedenen Formen schon auf dem Markt und sind auch wieder verschwunden. Entscheidend wird sein, ob und wie schnell sie sich in unserem Alltag verankern.

Dazu passt ja auch irgendwie der aktuelle Hype um Amazons  neuen Dash-Button (IoT). Dieser ist ja nun wirklich kein besonders innovativer Service-Button. Ganz im Gegenteil erinnert er doch eher an den Notfall-Knopf im Krankenhaus, wo das Pflegepersonal mir ein Schmerzmittel bringt, wenn ich ihn drücke. Eigentlich soll dieser Dash-Button aber unsere persönlichen Daten sammeln, auf deren Grundlage uns  Amazon die Produkte dann zukünftig schickt, bevor wir überhaupt ahnen, dass diese gerade zu Neige gehen. Das ist dann schon eher innovativ, was weitergedacht ganz entscheidend unseren Alltag und unser Denken  beeinflussen wird.

Und aus meiner Buchhandels-Sicht könnte mir vielleicht bald – ganz ohne Bestellung – ein neues Buch geschickt werden, welches einzig auf der Datenbasis meines Leseverhaltens der zuvor gelesenen Bücher basiert. Denn mein „Fitness- Schlaf- und Emotionen-Tracker“ weiß dann ganz genau wie mir ein Buch gefallen hat, vermutlich noch bevor ich mir selbst eine Meinung darüber gebildet habe. Und die Buchhändlerin oder der Buchhändler fangen derweil Pokémons ein. Oh wait!

 

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