Allein unter Menschen

5 Apr

„Noch nie zuvor habe ich Deutsche erlebt, die mich so laut angeschrien haben“ schreibt Tuvia Tenenbom in seiner Kolumne „Meine Deutschen brauchen die Flüchtlinge mehr als die Flüchtlinge sie“. Puh.

Vielleicht sollte Tenenbom mal darüber nachdenken, dass es vielleicht nicht nur am Flüchtlingsthema und nicht an den „Flüchtlingsliebenden“ Deutschen liegt, sondern an ihm selbst. Es gibt viele Möglichkeiten sich diesem Thema zu nähern und noch mehr Meinungen. Das finde ich auch nicht schlimm, sondern bereichernd. Wenn ich solche Texte lese, geht allerdings auch mir die Hutschnur hoch.  

Ich glaube, es ist momentan einfach für manche Menschen schwierig, sich in eine Denke oder Grundhaltung hineinzuversetzen, in der jeder Mensch ein Recht auf ein Leben in Frieden hat. Stattdessen diskreditiert man diejenigen schnell als Gutmenschen und Blödiane. Ist das denn tatsächlich so schwer nachvollziehbar, dass man anderen Menschen das gleiche Leben in Demokratie und Freiheit wünscht, das einem selbst durch glückliche Umstände zuteil wurde?

„Woher kommt die Zuneigung für Flüchtlinge?“

Ich möchte darauf antworten, die kommt nicht, sondern ist einfach da, wenn man generell ein Freund von Menschen ist.

Ist es so unglaubwürdig oder weltfremd, dass man sich eher vorstellen kann, mit ein paar Millionen Kriegsflüchtlingen zusammenzuleben, als mit anzusehen, wie sie in Lagern rund um Europa gefangen gehalten werden?  Oder unschuldige Kinder im Meer ertrinken?

Ist es so abwegig zu sagen, dass man in einer globalisierten Welt, wo alles mit allem zusammen hängt, nicht leben möchte, wenn andere Menschen dafür sterben müssen, nur damit wir wieder in Ruhe auf unserem Sofa sitzen können?   

Die Welt und die fürchterlichen Bilder lassen sich aber nicht ausschalten – damit werden wir leben müssen.

Unsere Verantwortung für die Welt in der wir leben endet nicht mal eben dort, wo die Türkei anfängt die Drecksarbeit für uns zu übernehmen. Sind wir so luxusverwöhnt und energielos, dass wir nicht einmal versuchen, Migration, Integration und Gesellschaft neu zu denken?

Und das ist das wirklich bittere an der ganzen Geschichte, zu erkennen, dass es am Ende des Tages nicht um Zusammenleben, sondern um Ausgrenzung geht. Und unser Leben ist erst dann besonders wertvoll, wenn andere sterben. Aber Hauptsache die Bilder verschwinden bald wieder aus unserem Blick.

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Eine Antwort to “Allein unter Menschen”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Das gute Deutschland und das böse Deutschland. Oder: ist es so einfach? | - April 5, 2016

    […] “Ich glaube, es ist momentan einfach für manche Menschen schwierig, sich in eine Denke oder G… schreibt die Berliner Bloggerin Anja Urbschat. “Gutmenschen” gegen Menschenfeinde – ist es so simpel? […]

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