Frag doch mal das Volk!

26 Jun

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Lieber Herr Tichy,

da ich in dem Artikel „Volksabstimmungen: Es gibt gute und es gibt böse“ von Sofia Taxidis mit einem Tweet verewigt bin und der Text in Ihrem Einblick-Blog veröffentlicht ist, gehe ich davon aus, dass es auch Ihre Meinung wiederspiegelt. Außerdem haben Sie dies ja auch in ihrem Artikel „Volksentscheid zu Griechenland-Krediten: Wir sind auch ein Volk!“ untermauert. Samt Petition für die Volksabstimmung.

Peter Ramsauer ist Ihnen netterweise auch gleich zur Seite gesprungen und findet die Idee der Volksbefragung bei Hilfszahlungen ja auch richtig töfte.

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Innerlich habe ich schon gleich eine kleine Auflistung gemacht, welche tollen Ideen Herr Ramsauer noch gerne zur Abstimmung stellen möchte. Die Ehe für alle ist es sicherlich nicht. Vielleicht die Maut. Och nö. Ich glaube nicht.

Daher sollten wir erst einmal überlegen, wie sich demokratisch überhaupt entscheiden lässt, welche Themen zur Abstimmung gebracht werden, bevor wir eine hochkomplexe Griechenland-Abstimmung in die (Wahl-)Urne werfen.

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Und um auf den Vergleich mit der Volksabstimmung  in Irland zur Homo-Ehe zu kommen. Es ist selbstverständlich ein Unterschied, ob wir darüber abstimmen, wie wir leben möchten und wen wir heiraten dürfen. Oder ob wir darüber abstimmen, ob wir einem Land weiterhin Kredite gewähren oder nicht. Ohne die ökonomischen Folgen abschätzen zu können. Und dies hat nichts damit zu tun – wie Sie es ja gerne hinstellen – dass man irgendwen für doof & dumm hält. Ganz im Gegenteil, denn wir sollten alle klug genug sein, um uns nicht vor den Karren anderer spannen zu lassen, damit diese ihre Ziele erreichen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen und Entscheidungen treffen zu müssen.

Hierzu habe ich mir in einem Blogbeitrag „Große Koalition: Die Herrschaft des Volkes“ auch schon einmal meine Gedanken gemacht. Lange vor der Griechenland-Frage.

Deshalb: Diskutieren Sie dieses Thema der Volksbefragung doch tatsächlich ehrlich und offen. Ich finde auch, dass es das wert ist. Aber lassen Sie uns doch mit den Überlegungen vorne anfangen. Fern aller reißerischen Fragen: Worüber ist es möglich abzustimmen? Was wollen und können wir?  Und wie wird gewährleistet, dass „das Volk“ eben nicht vor den populistischen Karren gespannt wird und zukünftig die Verantwortung für weitreichende politische und wirtschaftliche Entscheidungen trägt, aber wegen des Rauchens von Joints im Gefängnis landet.

Übrigens: Ich frage ja auch nicht meine Nachbarin, ob sie mir den Blinddarm herausoperiert. Nicht weil sie dumm wäre, sondern weil sie etwas anderes gelernt hat. Wenn es aber um wirtschaftliche und ökonomische Entscheidungen und deren Folgen geht, sollen wir alle jemandem per Volksabstimmung den Blinddarm herausoperieren dürfen? Na herzlichen Glückwunsch!

Aber wenn Sie das möchten, dann melden Sie sich gerne bei mir zwecks Terminabstimmung. Und bitte haben sie keine Angst, dass das Volk eine unpopuläre Entscheidung treffen könnte und versehentlich an etwas anderem herumschnipselt.

Das ist halt Demokratie!

P.S. Sie sind hoffentlich privat versichert?

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Eine Antwort to “Frag doch mal das Volk!”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Oh lobby me! – Eine Antwort auf Anja Urbschat | Laila Phunk - Juni 28, 2015

    […] “Frag doch mal das Volk!” fordert die in Berlin lebende Bloggerin Anja Urbschat, nur um dann eloquent darzulegen, dass sie eigentlich nicht so sehr für Volksabstimmungen ist. Es geht um weitere Kredite für Griechenland. Sollte der deutsche Steuerzahler, der das Ganze immerhin (mit-)finanzieren soll, da nicht ein Wörtchen mitzureden haben? Sofia Taxidis, auf die Urbschat sich bezieht, hat sich in einem Gastbeitrag auf “Tichys Einblicke” mit der Frage auseinandersetzt. Mehr noch, Taxidis hat eigentlich ein flammendes Plädoyer für Volksabstimmungen verfasst. Ein bisschen spitz nimmt sie die Linken auseinander, die – so Taxidis – ja gern mehr Demokratie und “Volksnähe” fordern, aber eben nur dann, wenn es ihnen in den Kram passt. “Tichys Einblicke”, muss man wissen, ist der Blog des ehemaligen Chefredakteurs der “Wirtschaftswoche”, Roland Tichy, der mit dem Slogan “Die liberal-konservative Meinungsseite” präzisiert, worum es ihm geht. Wer sich zur gemäßigten Linken zählt, publiziert auf “Tichys Einblicke” vermutlich eher nicht. […]

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