Ich will so bleiben wie ich bin – Amazon.

21 Jul

Delivery drone

Ich habe mal in meinem Blog herumgekramt und festgestellt, dass ein Beitrag von mir  „Amazon – ausgeloggt“ auch nach über einem Jahr noch erschreckend aktuell ist. Durch die momentanen Konditionsverhandlungen (oder Erpressungen) von Amazon gegenüber den Verlagen bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack, wie es sein könnte, in einer monopolisierten Gesellschaft zu leben. Und dabei werden wir augenblicklich noch nicht einmal von Amazons Drohnen abgeschossen. Wie das sein wird, wenn die fehlgesteuerte Drohne mit unserem wichtigen Vampir Roman an Bord, den wir unbedingt in Sekunden geliefert haben müssen, erst einmal „aus Versehen“ in unserem gehüteten analogen Billy Regal gelandet ist, werden wir schon in ein paar Jahren wissen. Oder wenn für unsere Buchbestellungen bei Amazon gar keine Lieferanschrift mehr nötig sein wird, da unsere Mobilfunkdaten als „Zielvorgabe“ völlig ausreichen. (Hach, ist das toll!) Dann freuen wir uns, wenn uns beim ersten Date mit der neuen Flamme eine Liefer-Drohne mit „Kamasutra für Anfänger“ auf den Kopf fällt – und wir dann bis an unser Lebensende rätseln dürfen, ob unser Date geflohen ist, weil wir leider erst grüne Kamasutra Anfänger sind oder weil wir uns überhaupt mit solch einem Kram beschäftigen.

Der Beitrag Die unheimliche Macht des Versandriesen – Wie das Unternehmen eine Schneise in unser Kulturgefüge schlägt“ von Michael Schikowski im Deutschlandradio Kultur, ist daher eine absolute Bereicherung in den aktuellen Diskussionen. Ja – für eine demokratische Gesellschaft sind gewinnmaximierende Unternehmen wie Amazon nicht förderlich. Und darauf zu warten, dass uns bald die ökologisch abbaubare und rosarote Amazon Alternative küsst, ist zwar sehr romantisch – aber sinnlos. Denn solch eine Alternative zu verwirklichen – was aus meiner Sicht absolut unabdingbar ist – bedeutet ein hartes Stück Arbeit, die Leidenschaft, Kapital und jede Menge Unterstützung benötigt. Wie unanstrengender erscheint es da doch, die gesellschaftlichen Veränderungen weiterhin, wie der Erzähler aus Thomas Bernhards Roman „Holzfällen“, aus der sicheren Perspektive des Ohrensessels zu beobachten.

Aber wir Kunden haben natürlich absolut das Recht, so lange – und trotz besserem Wissen – die demokratischen Grundwerte unserer Gesellschaft zu gefährden, bis uns bitte jemand eine gleichwertige – ach quatsch – noch bequemere Alternative serviert. Aus der Rational Choice Perspektive absolut nachvollziehbar. Aus der menschlichen, kulturellen und sozioökonomischen Sicht – eine Katastrophe!

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