Les Liaisons dangereuses

29 Okt

große koalition

Vor den Finanz- und Steuerplänen steht eine gerechte und freie Gesellschaft.

Der Startschuss für die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU/CSU ist gerade gefallen und schon geht das Gerangel um Zahlen, Macht und Pöstchen los. In den letzten Tagen war zu beobachten, wie führende Politiker von SPD und CDU/CSU scheinbar nebenbei und unbeabsichtigt Signale zu Wahlkampfthemen in Richtung der jeweils anderen Partei sendeten, egal wie festgefahren und unüberwindbar diese vor der Wahl auch erschienen. Steuererhöhung, Betreuungsgeld und Mindestlohn sind keine K.O. Kriterien mehr, mit dem Partner nicht doch ins Bett zu steigen. Wenn das Begehren groß und der Körper willig ist, lässt der Verstand nach. Dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden, menschlich gesehen – und nicht selten  ist aus solch einer Liaison eine Liebe für das ganze Leben entstanden.

Sicherlich aber nur dann, wenn zumindest die Basis für eine Beziehung besteht. Wenn Sigmar Gabriel  nun soziale Themen wie den Mindestlohn als Grundvoraussetzung für eine gemeinsame Regierung sieht, dann ist er vor lauter Begehren allerdings schon einige Meter am Schlafzimmer vorbeigerannt. Das wäre so, als würden wir nach den stürmischen ersten Nächten, Geocoaching mit den jeweils besten Freunden oder Höflichkeitsbesuchen bei den Eltern bereits darüber verhandeln, wer denn später die Kinder in den Kindergarten bringt, ohne die Frage geklärt zu haben, ob wir denn überhaupt welche haben wollen.

Ohne Zweifel wird jeder im Laufe einer Beziehung so einige Kompromisse eingehen, und – ja – nach zunächst ausweglosen Differenzen wird man sich doch irgendwann wieder aneinander kuscheln. Die Grundvoraussetzungen der zukünftigen Lebensgestaltung sollten aber sinnvollerweise schon auf gemeinsamen Füßen stehen.

Auch in politischen Beziehungen sollten die Grundfragen der Gesellschaft geklärt sein. Und bevor man über Mindestlohn und Steuern spricht – ganz zentrale und wichtige Themen unserer Gesellschaft – sollte man das Fundament überprüfen. Was sind die sozialen Grundlagen unserer Partei, welches Menschenbild haben wir, was ist unserer Antrieb und unsere Visionen? Kurz,  was ist unsere Seele, die wir auf keinen Fall verkaufen dürfen.

Bei der SPD habe ich es im Wahlkampf so verstanden, dass dies die Gleichberechtigung und Gleichstellung ist. Das Fundament einer sozialen, demokratischen und toleranten Gesellschaft, welches auf der Einhaltung der Menschenrechte (für alle Menschen) und der Freiheit des Einzelnen  basiert. Aber auch diese Vorstellung von Freiheit, die es gerade nach dem umfänglichen NSA Skandal  mehr denn je zu verteidigen gilt, ist aus lauter Vorfreude auf die gemeinsame Liebesnacht anscheinend in Vergessenheit geraten.

Nun hat die CDU/CSU im Vorfeld recht flott signalisiert oder signalisieren lassen, dass Gleichstellung und die Anerkennung anderer Lebensmodelle für sie nicht verhandelbar sind. Alternativlos. Und wenn man hier an Politikerinnen wie Erika Steinbach denkt, dann weiß man, dass das Wort alternativlos hier auch eine wirkliche inhaltliche Bedeutung erhält. Zumindest solange, bis das Bundesverfassungsgericht, wie unlängst bei der Homoehe, erklärt, dass genau diese Einstellung gegen den Gleichheitssatz des Grundgesetzes verstößt. Und genau das möchte die SPD anscheinend hinnehmen, um an anderer Stelle im Machtgerangel zu punkten?

Das wäre so, als würde nach heißem Sex, Geocaching und Elternbesuch dann doch irgendwann die Affäre hinzukommen, aber Schuldgefühle erst dann aufkommen, wenn die SMS mit den Liebesbekundungen irrtümlich an die falsche Liebe gesendet wurde.

Die SPD sollte für Ihre Grundüberzeugung eintreten, die Menschrechte verteidigen und Diskriminierung entgegenwirken. Ich wünsche mir eine Politik, die eine Gesellschaft nicht nur verwaltet, sondern gestaltet – gemeinsam mit Ihren/allen Bürgern.

Red carpet path to success light.

Wenn die SPD nun bereit ist, diese Gestaltungsmöglichkeiten für 15 Minuten Ruhm über Bord zu werfen, dann sollte sie sich nicht wundern, wenn sie in der großen Koalition wieder zu einem farblosen, charakterlosen und austauschbaren Spielzeug wird. Frau Merkel wird Ihnen schon eine „Hotelsteuer“ als Köder zuwerfen und ich bin mir sicher, es gibt genug, die ihn fangen und schlucken  werden.

Es gibt viele Menschen, die sich in unserer intoleranten und ungerechten Gesellschaft  nicht mehr wohlfühlen und nur noch körperlich anwesend sind. Wenn nun die Koalitionsverhandlungen zeigen, dass es nur um die Verteidigung und Verteilung von Macht geht , fern aller Lebensrealitäten, dann bleibt lediglich zu hoffen, dass wenigstens das Bundesverfassungsgericht in Zukunft fit und munter bleibt.

Die nächsten vier Jahre werden dann zeigen, wer zur Paartherapie geht, wer Reizwäsche trägt und wer sich die Pantoffeln abends bereitstellen lässt.

Und wir anderen werden uns dieses Treiben von außen in unserem Ohrensessel ansehen .

Hier auch der Link zur Veröffentlichung auf Huffington Post

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: