Bundesberti Wulff

15 Jan

Berti Vogts erreichte die zweitbeste Siegesquote aller Bundestrainer und gewann mit der deutschen Nationalmannschaft sogar die Fußball-Europameisterschaft 1996 in England. Keine läppische Betitelung als „Sieger der Herzen“, sondern ein richtiger, echter Pokal, den das deutsche Volk in den Händen halten konnte. Habe ich aber deshalb Berti Vogts als Siegertyp vor Augen? Als Vorbild oder Idol des Fußballs? Sicherlich nicht!
Eingeprägt haben sich keine großartigen Siege oder das gute Gefühl, mit einem leckeren Kölsch auf Berti und seine Jungs angestoßen zu haben, sondern eher Sätze wie dieser von unserem Bundestrainer: „Wenn ich über’s Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann der.“ Da bekam man fast Mitleid, aber leider ein Gefühl, das man ganz sicherlich nicht mit einem Bundestrainer der Fußball-Nationalmannschaft in Verbindung bringen möchte.
Ja, wir haben den ein oder anderen Sieg eingefahren, aber Berti und seine Mannschaft haben nie eine gute Performance abgegeben, die sich in unseren Herzen verankert hat. Alles wirkte immer eher holprig. Und ein bisschen gar wie ein Witz. Er war halt auch nicht der Kaiser, sondern der Bundesberti. Und folgender Satz könnte durchaus auch von ihm sein: „Egal was ich sage oder tue, ich bleibe immer eine Lachnummer“
Und so war es kein Wunder, dass man in den Folgejahren nach unserem Bundesberti dritte Plätze leidenschaftlicher gefeiert hat als ehemalige echte Titel. Woran das liegt lässt sich gar nicht so genau beschreiben. Sicherlich lag es an der Charakterstärke der nachfolgenden Bundestrainer, die eine Niederlage einfach besser verkaufen konnten. Notfalls mit Power-Yoga oder Power-Jogi. Oder an den viel gelobten „neuen jungen wilden Spielertypen“ und natürlich an den Medien, die sich vermutlich zwischendrin dachten, wir lassen uns doch unseren Fußball nicht länger von schlechten Spielen der deutschen Nationalmannschaft zerstören. Und so glitzerte folglich auch nach langweiligen Länderspielen die BILD Zeitung am nächsten Tag unangefochten in schwarz, rot und gold. WIR sind Papst, also sind WIR au Jogi, und Poldi und Schweini. Nur Gomez nicht, aber das ist wieder ein anderes Thema.
1998 musste Berti dann nach sehr schlechten Spielen und einem misslungenen Neuaufbau der Mannschaft schließlich doch zurücktreten. Dass er sich ganze acht Jahre in Amt und Würden gehalten hat, kann man im Nachhinein irgendwie kaum glauben.

Müssen wir dies bei unserem Bundespräsidenten nun etwa auch erwarten oder befürchten? Acht, bzw. fünf Jahre, die wie ein permanenter Rücktritt wirken? Oder eine Ausbildung? Oder Satire? Haben wir demnächst Fremdschämgefühle nicht mehr nur bei DSDS, sondern auch bei Auftritten unseres Bundeswulffs?
Wenn ich momentan abends von der Arbeit nach Hause komme, schaue ich als erstes in meiner Timeline nach (das gebe ich hier ganz offen zu;-)), was es wohl für neue BILD Enthüllungen zu Christian Wulff gibt. Es ist irgendwie schon wie ein liebgewonnenes Ritual geworden. Und weltentfremdete Aussagen des Präsidenten wie: „Ich habe nichts Unrechtes getan, auch wenn nicht alles richtig war“ lassen einen auch immer wieder auf neue Kuriositäten oder lukrative aufgedeckte Freundschaften hoffen. Und wann gab es in der Vergangenheit schon mal Umfragen wie “ Soll unser Bundespräsident zurücktreten – Ja O / Nein O?“ Über diese Art von Meinungsumfragen mag man denken, was man will, aber eins ist mal sicher, kein Bundespräsident darf nach solchen öffentlichen Schenkelklopfern im Amt bleiben. Das Amt des Bundespräsidenten ist ein respektvolles und angesehenes. Oder besser, war es. Christian Wulff als Person erhält keinen Respekt mehr von seinen Mitbürgern und den Medien. Es spielt auch überhaupt keine Rolle mehr, ob zu Recht oder zu Unrecht. Das ist durch. Wenn wir an einem Punkt sind, an dem per Abstimmung der Bundespräsident aus Schloss Bellevue herausgewählt werden soll – fast so, wie im Dschungelcamp, nur ohne Würmer- dann sollte eine intelligente und öffentliche Person alles versuchen, das Amt vor weiterem Schaden zu bewahren. Das wäre Verantwortung, das wäre respektvolles Handeln, das wäre Stärke.
Stattdessen müssen wir jetzt täglich ertragen, von neuen Verfehlungen des ersten Mannes im Staate zu erfahren, die wir eigentlich gar nicht wissen möchten. Bonusmeilen, Hotel-Upgrades…und was sonst noch alles kommen mag, wie Trunkenheit auf der Silvesterparty, Fürbitten-Upgrade, Falschsingen in der Kirche oder Nacktbaden in der heimischen Reihenhaus-Badewanne. Der Informationsgehalt und die journalistische Aufklärungsarbeit sind teilweise sehr fragwürdig, aber sie sind nun mal da und somit gesellschaftliches Gesprächsthema. Und die Tatsache, dass ausgerechnet die BILD Zeitung, die den unwürdigsten Journalismus betreibt, den man sich vorstellen kann, zukünftig unseren Bundespräsidenten in der Hand hat, lässt doch nur noch eine mögliche persönliche Entscheidung zu.
Es geht schon lange nicht mehr um seinen Kredit, um Wahrheiten und Unwahrheiten, um Handschlagverträge, Anrufbeantworter oder Kai Diekmann. (…doch vielleicht schon um Kai Diekmann…) Es geht um das Bild, das sich in der Öffentlichkeit manifestiert hat und das des Amtes unwürdig ist.
Ja ich gestehe, ich persönlich danke meinem Schicksal, dass ich niemals,und schon gar nicht für 500.000€, in einem solchen mittelmäßigen Reihenhaus gelandet bin. Da kommt oben genanntes Mitleid schon wieder ins Spiel. Nicht mal eine Villa konnte hier das Corpus Delicti sein. Oder ein geschmackvolles architektonisches Bauwerk. Ein Reihenhaus des Bundespräsidenten halt.

Und vielleicht hat er wirklich nichts unrechtes getan, aber auch wirklich nichts richtig!
Auf Augenhöhe mit unserem Bundesberti – das geht doch nicht!

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