1. Advent

28 Nov

Freitag Abend habe ich mich mit meiner Freundin in Köln getroffen, um schon einmal ein paar Weihnachtsgeschenke für unsere Lieben zu besorgen. Kurz vor Weihnachten haben wir beide kaum Zeit dazu  und die Geschäfte werden ja auch nicht leerer…

Als wir im ersten Kaufhaus unserer Wahl die Rolltreppe hochfahren, treffen wir in der 1. Etage auf einen Charity-Baum. Ein schöner großer Weihnachtsbaum, aber anstatt goldener Kugeln und Lametta hängen zahlreiche Zettel darin. Es sind Wunschzettel vieler Kinder, die sozial bedürftig sind und für die Geschenke und Schenken zu Weihnachten keine Normalität ist.

Wir schauten uns die verschieden Wunschzettel von Stefan, Anna, Micha, Esra, Mehmet, Christian, Melissa und vielen mehr, an.                                                

Mütze, Handschuhe und Schal, was Schönes von Hello Kitty, ein rosa Föhn, Polizeiauto, ein Bagger. Ganz normale Kinderwünsche halt, vielleicht etwas bescheidener als wir sie kennen, und trotzdem in der Welt dieser Kinder unbezahlbar.  

Wir entscheiden uns schließlich für die Wünsche zweier Kinder, aber irgendwie ist diese Entscheidung auch gleichzeitig eine gegen die anderen, auch wenn es keiner von uns aussprechen mag.

Melissa, 6 Jahre wünscht sich ein Walkie-Talkie. Christian, 6 Jahre wünscht sich einen Jabulani, den WM Ball 2010.

Sofort machen wir  uns auf den Weg, die Geschenke zu besorgen. Ein schönes Walkie-Talkie, samt Batterien, haben wir schnell gefunden. Das mit dem Jabulani gestaltet sich etwas schwieriger. In den ersten beiden Sportgeschäften ist der Ball ausverkauft. Und das eine halbe Stunde vor Ladenschluss. Den Wunschzettel kurzerhand wieder in den Baum zu hängen und das Polizeiauto für ein anderes unbekanntes Kind schnell zu besorgen, kommt einem kurz in den Sinn. Aber „unser“ Kind ist  halt nicht mehr unbekannt, sondern Christian, 6 Jahre… und deshalb geht das nicht.

Im dritten Sportgeschäft haben wir dann Glück, wir bekommen den Jabulani und die passende Ballpumpe. Denn es gibt ja nichts schlimmeres, als Geschenke, mit denen man nicht gleich losspielen kann.

Kurz vor Ladenschluss können wir also auch das zweite Geschenk noch am Service Point abgeben. Einen lieben Weihnachtsgruß schreiben wir auch noch auf das Kärtchen. 

Es war ein schöner Abend. Wir haben unsere ersten Weihnachtsgeschenke besorgt, wenn auch nicht für unsere Familie, sondern für Christian und Melissa. Und ich hoffe, es sind nicht nur die eigentlichen Geschenke, die den Kindern Freude bringen, sondern das Gefühl, wahrgenommen und geschätzt zu werden. Für einen anderen Menschen wertvoll zu sein und nicht nur, wie es heutzutage in unserer Gesellschaft vermittelt wird, eine Last und eine Gefahr für unser soziales Gefüge.  

Es war auch ein schöner Abend, weil wir diesen Baum überhaupt wahrgenommen haben. In unserem Alltag, in dem wir permanent möglichst schnell von einem Ort zum anderen hetzen und dennoch meistens zu spät sind, weil der Tag dann doch wieder viel zu wenig Stunden hat, hätten wir ihn gar nicht bemerkt. Oder hätten ihn bemerkt, aber trotzdem keine Zeit gehabt, stehen zu bleiben.

Advent bedeutet ursprünglich die Ankunft, Anwesenheit. 

Vielleicht sollten wir die Adventszeit mal wieder wörtlich nehmen und die Ankunft von uns selber in dieser Zeit suchen. Wenn wir uns unserer eigenen Anwesenheit bewusst sind, dann haben wir sicher auch wieder Augen und Zeit für Andere.

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